archive for 8. 2005

#121

audienz beim chief

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heute sind wir in zwei dörfer des oyibi-wasserprojektes gefahren, wo ich meine feldforschungen betreiben werde, um mich mit den häuptlingen zu treffen. wir wurden beide male freundlich empfangen und eingeladen wiederzukommen. interessanterweise hatten die beiden dörfer, obwohl nur wenige kilometer voneinander entfernt, völlig verschiedene abstammungen und traditionen. die generatorenhäuschen der jeweiligen bohrbrunnden stehen wie raumschiffe zwischen den lehmhütten. ziegen und hühner laufen herum, kinder winken uns aus sicherer entfernung zu. es ist gut, auch sowas zu sehen.
am besten man schaut sich das selber an.

#120

wäsche

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neben mir steht gerade chester, ein student der valley view, der die hemden von toni bügelt, nachdem er sie heute vormittag mit der hand in zwei kleinen kübeln gewaschen hat. sehr gründlich. ich habe ihm auch meine wäsche anvertraut, die gerade unter der heißen afrikanischen sonne trocknet.
laut toni sind 20.000 cedi als lohn für diese arbeit angemessen. das sind ungefähr 2 euro. die von der uno definierte armutsgrenze von einem dollar pro tag, die in ghana seine berechtigung hat, wird dadurch zwar überschritten, aber irgendwie hab ich doch ein komisches gefühl dabei.
andererseits dürfte man als mensch der westlichen welt diese nicht mehr verlassen, wenn einem bei solchen geschäften skrupel befallen.
Sonntag, 28.8.2005, 15:22

#119

adventisten messe

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gestern hatte ich die ehre, an einem sieben-tage-adventistischen gottesdienst teilzunehmen. im afrikanischen stil, versteht sich. zuerst gabs allgemeine ankündigungen, dann gesang, dann bisschen beten, wieder gesang, dann wurde gespendet, wieer gesang und schließlich eine elendslange predigt. ich habs mir lustiger vorgestellt, aber zumindest wurde das ganze im freien zelebriert.
heute morgen bin ich mit toni ein bisschen in der gegend herumgelaufen und wir sind bei einigen einfachen häusern in der umgebung der valley view university vorbeigekommen. die menschen die dort leben, ernähren sich von dem bisschen was sie anbauen und wenn sie glück haben, verdienen sie vielleicht auf einer baustelle ein bisschen was dazu. sehr arm. aber wenigstens muss man hier nicht frieren.

#118

lagebericht 2

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freitag, 26. 8. 2005, 21:09
heute vormittag war ein kleinbus voll mit deutschen da, die in koforidua ein praktikum machen. das heißt, die zahlen gutes geld dafür, dass sie nach ghana fliegen dürfen um dann wände zu streichen und unkraut zu jäten. zuerst hab ich mir auch gedacht, was sich wohl jeder denkt, der meine einleitenden sätze liest, aber im nachhinein, gestehe ich dem ganzen auch seine legitimität zu. natürlich, entwicklungshilfe ist das keine, aber immerhin besser als cluburlaub in einem entwicklungsland.
am nachmittag bin ich mit toni nach namidia zum einkaufen gefahren. seine hauptmission waren einige packungen multivitaminsaft (auf der valley view herrscht alkoholverbot), meine war es handtücher zu kaufen. ich hatte nämlich nicht bedacht, dass das eine, welches ich mitgenommen hatte schon nach drei tagen gewaltig zum stinken anfängt, da das tropische klima hervorragend für die vermehrung von bestialisch stinkenden, in handtüchern lebenden bakterien geeignet ist. der gestank kommt übrigens ganz sicher nicht von mir, sondern vom tropischen klima.
bis jetzt war ich dann noch mit toni im hill top, einem netten gartenlokal in dem dorf, wo ich derzeit einquartiert bin. ein bier, welches hier übrigens stolze 600 kubikmillimeter misst, kostet 7500 cedis, also ungefär 80 eurocent, wenn man das trinkgeld beim umrechnen schon berücksichtigt.
morgen vormittag ist kirchgang angesagt. bei den sieben-tage-adventisten geht der sabbath, welcher anstelle des sonntags der heilige tag der woche ist von freitag sonnenuntergang bis samstag sonnenuntergang und gipfelt in dem samstags mittag abgehaltenen zweistündigen gottesdienst.

ps. ich poste immer zeitversetzt, da ich in meinem zimmer, wo ich im moment diese zeilen tippe, keinen internetzugang habe. d.h. ich werde diese zeilen erst morgen, samstag, ins internet stellen.
pps. ich hab es geschafft, vier fotos online zu stellen

#117

lagebericht

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bislang war hier ja alles sehr gemütlich, aber was die tropen klimatisch hergeben, wurde mir heute mittag klar, als einmal für ein paar minuten die sonne durchkam. immerhin habe ich heute abend meine erste fahrt mit einem sammeltaxi gemeistert. es hat mich zwar ein student der vvu unter die fittiche genommen, aber ich bin trotzdem glücklich, erste erfahrungen mit ghana ohne meine deutschen mitstreiter auf der vvu gemacht zu haben.
bei diesen handelt es sich um toni, einem bayrischen baumeister, louis, einem ghanesisch stämmigen berliner landschaftsplaner und esther, dessen ghanesischer frau. gestern sind wir gemeinsam in accra gewesen, deutsche botschaft und gtz besucht und hähnchen gegessen. auf der vvu gibts nämlich nur vegetarische küche, welche zwar sehr gut ist, aber auf dauer regt dieser ghanesische fleischersatz aus mehl, der soja und tofu als fleischersatz sehr alt aussehen lässt, doch sehr zu echtem fleischkonsum an.
jetzt werde ich noch auf moskitojagd gehen und mich dann in meinen schlafsack verkriechen. die tropen machen einen sehr müde.

#116

welcome to the jungle

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bin gut eingekommen, soweit schon aklimatisiert, von durchfällen verschont geblieben. alles roger sozusagend.

#115

ghana, ich komme

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nun ist es endlich endgültig und sicher: ich fliege diesen sommer nach ghana. heute habe ich meine flugtickets gebucht und bekommen. der spaß kostet mit taxen und steuern stolze 862 euro. und um diesen preis zu bekommen habe ich einige reisebüros abgeklappert und lange im www gesucht. gefunden habe ich dann mittels checkfelix bei sta einen alitalia-flug von wien über mailand nach accra.
ich hab dann gut sechs wochen zeit für meine arbeit über entwicklungdifferenzen ländlicher wasserver- und entsorgung material zu sammeln. residieren werde ich im gästehaus der valley view university. das ist eine privat-universität, gegründet von den siebenten-tags-adventisten, ungefähr 30 kilometer von der ghanesischen hauptstadt accra entfernt.

#114

apfelwiese

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wenn auch nicht unter die groß- so könnte ich, wenn mir danach wäre, unter die grundbesitzer gehen. meine mutter hat nämlich eine kleine apfelwiese geerbt und angeboten, diese gleich an die nächste generation weiterzureichen. nachdem mein bruder dies ausgeschlagen hat, könnte ich mir diesen flecken land nun alleine krallen.
der haken an der sache ist, dass sich dieses gütle, wie es die schwaben angeblich nennen, dort befindet, wo die schwaben zu hause sind: in bietigheim, nördlich von stuttgart. eine überlegung wäre, diese zehn mal zweihundert meter naturschutzgebiet (das grundstück befindet sich nämlich in einem solchen) zu verkaufen und dafür einige hektar regenwald in südamerika kaufen. diese tropenhölzer sind wenigstens mehr wert als hundertjährige apfelbäume.
allerdings ist da auch noch die sache mit dem sentimentalen wert: die wiese ist seit einigen generationen im familienbesitz und es steht eine selbst geschmiedete blechhütte meines urgroßvaters (sofern ich das mit den familienverhältnissen richtig mitbekommen habe) darauf.
derzeit wird das ganze von einem bietigheimer nebenerwerbsbauern gemäht und - sofern sich ein ertragreicheres jahr als das heurige einstellt - geerntet. ein tatbestand über den man froh sein muss.
den baum- und hüttenbestand habe ich fotografisch festegehalten.