archive for 9. 2005

#129

montezumas rache

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montag morgen bin ich nach accra gefahren um ein paar traveller cheques einzulösen und mir ein busticket nach cape coast zu besorgen. mein plan war mittwochs abzureisen und dann dort ein paar schöne tage am strand und im kakum-nationalpark zu verbringen. wer in ghana mit den bequemen und luxiorösen stc-bussen reisen will, sollte sich seine karte nämlich immer im voraus organisieren.
aber es kam anders.
um die checks einzulösen muss man nämlich seinen pass vorzeigen, was ich allerdings erst in der bank erfuhr. nicht weiter tragisch, ein paar hunderttausend cedis habe ich noch und außerdem trage ich immer euros mit mir, die man überall problemlos wechseln kann. ärgerlich war da schon, dass mich ohne ersichtlichen grund im laufe des vormittags starkes fieber befiel. und an einem sonnigen montag vormittag (und sonnig hat in den tropen eine andere bedeutung als in mitteleuropa) in einem nach benzin stinkendem kleinbus durch die verstopften straßen zu stauen macht ein solches leiden nicht gerade angenehmer. ich kaufte mir dennoch das busticket nach cape coast, allerdings erst für donnerstag um einen zeitlichen puffer zum auskurieren zu haben. das ticket kostet 25.000 cedis, also etwa 2,50 euro, was für meine europäische brieftasche, im falle einer fehlinvestition, kein allzu herber schlag wäre.
das fieber war am dienstag, unter der sicheren hand der krankenschwester hier am vvu-campus, mit aspirin und kalten duschen besiegt, allerdings war heftiger durchfall hinzugekommen, der sich mit kohletabletten allein nicht beruhigen ließ. so nehme ich seit gestern abend antibiotioka und hoffe auf baldige genesung.
was mich etwas grübeln lässt, ist wie ich mir diese infektion eingefangen habe. die letzten tage habe ich nur in der cafeteria der vvu gegessen, wo eigentlich, sowohl aus kulinarischer als auch hygienischer sicht, einwandfrei gekocht wird.

#128

graduation an der vvu

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dieses wochenende wurden an die im letzten jahr gebackenen bachelors of business administration bzw. theology bzw. religion bzw. computer science ihre abschlußzeugnisse überreicht. in ghana geschieht das, nicht wie im kalten mitteleuropa im sekretariat sondern es wird über 4 tage hinweg im großen stil zelebriert. so gab es am donnerstag ein bankett zu ehren der graduenten, mit ca. 500 geladenen gästen. ich wurde vom präsidenten der vvu, nicht ganz korrekt, als austauschstudent im rahmen des deutschen forschungsprojektes vorgestellt und durfte, um sanft applaudiert zu werden, mein haupt zur schau stellen. am buffet wurde jedem besucher ein lakai zur saite gestellt, der den teller während dessen beladung hielt und ihn anschließend zum tisch trug. toller service.
freitag und samstag gab es dann jeweils einen gottesdienst, die ich jedoch beide elegant durch nicht erscheinen umging.
gestern fand die abschließende zeremonie mit zeugnisübergabe statt. geschätzte besucherzahl: 1500. darunter so illustre persönlchkeiten wie der ghanaische bildungsminister, der eine schöne ansprache hielt. der präsident stellte mich einmal mehr den massen vor. danach gab es dann, für die ehrengäste, unter die ich mich mischen durfte, ein sehr leckeres buffet.
ich finde es interessant, in welche sphären man hier als student aus europa gehoben wird. unter welchen umständen hätte ich in österreich die möglichkeit mit frau gehrer vom gleichen essen zu naschen? nicht dass mir dies ein anliegen wäre, aber so rein prinzipiell…

#127

lagebericht 5

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ich wurschtel an meiner arbeit herum, führe interviews, lasse mich in der größten mittagshitze zu alten tümpeln führen und irgendwie kommt mir hier alles immer normaler vor. das essen in der cafeteria ist gut und vegetarisch, außerhalb fleischlastig und meist sehr scharf. die menschen sind freundlich, interessiert an dem was man macht.
nächste woche will ich ein paar tage nach cape coast fahren. das ist ungefähr 150 kilometer weiter westlich an der atlantikküste. dort gibts neben palmenstrand (wie es ihn an der ganzen küste gibt) eine angeblich sehr sehenswerte sklavenburgen und einne kleinen nationalpark. ich hoff dann gibts wieder etwas spannenderes zu berichten.
dieses wochenende finden hier an der valley view university die graduation-feierlichkeiten statt. mal schauen was das so bringt.

#126

botanischer garten

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heute hat der präsident der valley view university, dr. laryea (sprich lai), für die gäste und neuankömmlinge einen ausflug in den botanischen garten von aburi veranstaltet. dieser wurde 1890 von einem briten gegründet und wird bis heute sehr gut gepflegt. zu sehen gibt es, neben ein paar verkümmerten bäumchen, die queen elizabeth ii und ihr sproß charles gepflanzt haben, einige wirklich beeindruckende gewächse. ausserdem ein kraut, dass sich über klebrige samen verbreiten will, schöne blüten, tolle früchte.
das highlight für mich war ein rubber tree. dieser parasit wächst auf anderen bäumen, hat aber seine eigene wurzeln. im laufe von 50 jahren schafft er es, andere bäume mit seinem stamm zu ummanteln und diese zu erwürgen. der wirt stirbt ab und fault weg. dann steht der rubber tree als röhre, in die man hineingehen und bis nach oben durchschauen kann, da.

#125

lagebericht 4

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nach einem anstrengenden wochenende, an dem meine wirbelsäule innige bekanntschaft mit den schlaglöchern ghanas straßen geschlossen hat, bin ich gut von dormaa zur valley view zurückgekehrt. insbesondere die rückfahrt, bei der wir nicht mit einem der luxus-busse von stc gereist sind, war interessant. und zwar wegen einem widerlichen quacksalber der den leuten erst irgendeine rinde zum kauen gab, und als ihnen dann schlecht wurde, um 10.000 cedis ein wundermittel gegen alles, inklusive übelkeit, verhökerte, einem kotzenden kind (wahrscheinlich wegen der rinde), einigen quer über bzw. neben der straße liegenden trucks sowie lebensmüden ziegen und hunden auf der fahrbahn. und das alles für nur 3 euro 50 für 6 stunden, bzw. 300 kilometer!
dormaa selbst ist ein verschlafenes städtchen im grenzgebiet zu cote d’ivoire, von dem man nicht behauptne kann, dass dort der bär im nachthemd steppt. dafür haben uns die alten freunde von toni leckeres fufu serviert.
gestern war ich in einem der umliegenden dörfer der valley view um leute über ihre wassernutzung zu interviewen. es ist eigentlich recht gut gegangen und ich glaube, die leute waren recht erfreut über die abwechslung, dass einmal ein weißer ins dorf kommt und komische fragen stellt.
heute morgen hab ich endlich ein zimmer an der valley view beziehen können, was mir jeden tag zwei taxi-/trotro-fahrten erspart. vor allem am abend war es hier nämlich nicht immer ganz einfach, eine fahrgelegenheit zu ergattern.

#124

lagebericht 3

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nachdem ich diese woche hauptsächlich damit verbracht habe, mich völlig auszukurieren, was mir nahezu gelungen ist, geht es dieses wochenende nach dormaa ahenkro. das ist eine kleine stadt ganz im westen von ghana, wo toni, mein morgiger reisegefährte, vor 15 jahren als entwicklungshelfer tätig war. als transport dient uns stc, die größte ghanaische gesellschaft, die überlandbusse betreibt. stc hat hier einen sehr guten ruf, nicht nur weil die busse angeblich bequem sind, sondern auch weil immer ein mit automatischen waffen ausgerüsteter guard an bord ist. aber tagsüber muss man ohnehin keine angst vor wegelagerern haben.

#123

cobra

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heute habe ich die erste ernstzunehmende schlange hier gesichtet. eine anderthalb meter lange schwarze cobra. höchst tödlich, aber schon tot. einer der watchmen der vvu hatte sie erlegt. armes tier.

#122

die werte gesundheit

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die erste packung malarone à 12 tabletten ist geschluckt, ein viertel meiner zeit in ghana ist somit verstrichen. hoffentlich habe ich sie umsonst genommen.
eine halsweh-prophylaxe wäre in meinem fall kein fehler gewesen, weil ich eben darunter momentan leide. dies mag zwar bei temperaturen von stets über 20° celsius zwar zuerst verwundern. wenn man jedoch bedenkt, dass solche temperaturen erträglicher sind, wenn man sich der zugluft aussetzt, erscheint es schon einleuchtender.